DeLorean - das "Making of"


John Z. DeLorean und "sein Baby"
John Z. DeLorean und "sein Baby"

Schon lange schwebte mir dieser Wagen mit seiner schier unglaublichen Geschichte der Entstehung und des rasch nachfolgenden Niedergangs in meinem Kopf herum. Für mich war es kaum verständlich, dass die Ereignisse, die ein Drehbuch-Autor vermutlich nur unter dem Einfluss bewusstseinserweiternder Drogen auf Papier gebracht hätte, bislang noch nicht von Hollywood verfilmt worden war. (Seit einigen Jahren ist von der Realisierung einer Mini-TV-Serie die Rede, Genaueres weiß man jedoch nicht.) Auf dem Buchmarkt waren Titel zu diesem Thema, die fast alle aus der zweiten Hälfte der 80er stammen, nur noch antiquarisch und auch nur in Englisch erhältlich. Auf Deutsch gab es bis dato gar keine Veröffentlichung. Dabei beinhalten die schier unfassbaren Geschehnisse alle Elemente einer klassischen Tragödie. Eine Geschichte, die es wert ist, mit neu recherchierten Fakten, teilweise noch nie publiziertem Bildmaterial und zusätzlichen Informationen ehemaliger DMC/DMCL-Mitarbeiter erneut erzählt zu werden. Denn es hätte so schön werden können, hätte sich DeLorean mit zu wenig Geld und zu viel Gier nicht selbst die Luft aus den Reifen gelassen. Dafür kontaktierte ich im Dezember 2009 drei auf Automobil-Literatur spezialisierte Verlage: Der erste antworte nicht, der zweite sah für diese Thematik keinen Platz in seinem Programm, der dritte Verlag jedoch - Delius-Klasing - zeigt sich sofort hochinteressiert. Im Januar 2010 traf ich mich auf der BOOT in Düsseldorf mit zwei Lektoren von Delius-Klasing. Wir besprachen das Projekt, ein Buch über Aufstieg und Fall von John Zachary DeLorean und der Entstehung des DMC-12 zu publizieren. Zwei Wochen später bekam ich “Grünes Licht” und den Autorenvertrag. Gleich danach begann ich mit den Bild- und Personenrecherchen. Mir war es von Anfang an wichtig mit Persönlichkeiten in Kontakt zu kommen, die wirklich dabei waren daher und aus erster Hand über die Geschehnisse um DeLorean berichten können. Halbwahrheiten aus vierter Hand, auf die ich mich keinesfalls stützen wollte, kursieren genug. So führte ich neue Interviews mit ehemaligen DMCL-Mitarbeitern und -Dienstleistern (u.a. Neal Barclay, Bill Collins, William Haddad, Mike Knepper, Mike Loasby, Giorgetto Giugiaro und Nick Sutton), wofür ich Ende August 2010 auch nach Irland, Nordirland und England fuhr. Zudem besuchte ich Belfast und Dunmurry, um direkt vor Ort der Historie nachzuspüren, im Archiv des “Belfast Telegraph” zu recherchieren und im B&B “Warren House”, dem ehemaligen Gästehaus der DMCL zu übernachten. Und dies kurioserweise als allerletzter Gast, weil das B&B noch während meines Aufenthaltes seinen Betrieb einstellte. 

Shooting auf dem Augsburger Flughafen - Foto: Stephan Lindloff
Shooting auf dem Augsburger Flughafen - Foto: Stephan Lindloff

Nach meiner Rückkehr aus Nordirland organisierte und absolvierte ich an einem sonnigen Frühherbstag im September 2010 zudem ein aufwendiges Fotoshooting (siehe oben) zur farbenfrohen Zusatzbebilderung des Buches und eines begleitenden Artikels in “Oldtimer-Markt”. 

Am 03. Mai 2010 war der “Schreib-Startschuss” gefallen, wobei ich noch immer nebenher meine Artikel produzierte. Doch dann widmete ich von Anfang November 2010 bis Ende März 2011 meine gesamte Zeit ausschließlich dem DeLorean-Buch. Pünktlich zum Abgabetermin 31.03.2011 wurde ich am Vortag, um 13:30 Uhr, rechtzeitig fertig. Am selben Tag gingen zwei DVDs mit dem gesamten Material an Delius Klasing in die Post. Als mein zuständiger Lektor den Text auf seinen PC lud, dürfte er geschluckt haben, denn ich hatte (mal wieder) viel zu viel geschrieben. Geplant war ursprünglich ein Gesamtumfang des Buches von 144 Seiten, doch mein Text sprengte diesen Rahmen bei Weitem. Aber wir fanden einen Kompromiss: Ich kürzte von über 630.000 Zeichen auf rund 490.000 (wobei zwei Kapitel komplett herausgenommen wurden, darunter jenes über die Gold-DeLorean, welches ich aber später in einem Artikel für die Zeitschrift British Classics verarbeitet habe), und der Verlag erkannte eine notwendige Erhöhung der Seitenzahl auf 192, da auch mein Lektor den nun vorliegenden Text für nicht mehr weiter kürzbar hielt. 

Am 16.08.2011 sandte ich schließlich den korrigierten Umbruchabzug mit dem von der Grafik gesetzten Text- und Bildmaterial an Delius-Klasing zurück, womit mein Teil der Arbeit erledigt war. Und am 01.10.2011 erreichte mich das Paket mit den Belegeexemplaren von “Zu früh für die Zukunft - das DeLorean-Drama”, womit das Projekt nach rund anderthalb Jahren Arbeit seinen Abschluss fand.

"Es ist vollendet!" - Foto: Bianca Bender
"Es ist vollendet!" - Foto: Bianca Bender

Und bei aller Sorgfalt hat auch hier der Fehlerteufel sich ins Details geschlichen: Die wahrscheinlichste Gesamtzahl der produzierten DMC-12 beläuft sich - wie im Text auf Seite 173 zu lesen ist - auf 8987 Stück, nicht die bislang vermuteten 8583, wie bei den technischen Daten genannt und schon gar nicht 8553, wie durch einen Tippfehler auf dem Schutzumschlag abgedruckt steht. Am Ende war ich wohl so dermaßen betriebsblind geworden, dass ich diese Fehler nicht mehr wahrgenommen habe, sorry! Desweiteren: Auf Seite 53 nennt die Bildunterschrift u.a. Bob Dewey. Dies ist nicht korrekt. Bei der abgebildeten Person handelt es sich um den DMCL-Rechtsanwalt Robin Bailie der Kanzlei “Mills, Selig and Bailie” in Belfast.

 

Und noch ein abschließender Hinweis: Ich bin NICHT Dozent für Regionalgeschichte an der TU Dresden! Keine Ahnung woher fast alle Online-Buchhändler diese Info bezogen haben und sie zusammen mit dem Buchtitel anzeigen. Offenbar ging die ursprüngliche Herkunftsquelle davon aus, dass es auf der Welt nur einen Michael Schäfer geben kann, der Bücher schreibt - eben jener Dozent für Regionalgeschichte. Dank des ungeprüften Übernehmens fremder Daten, hat sich dieser Fehler im Internet nun weitläufig verbreitet. Also: Ich bin Südhesse, lebe an der Hessischen Bergstraße und wäre an einer TU völlig fehlbesetzt! :-)