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“Die Aston Martin Lagonda Ltd. in Newport Pagnell” (Eine Art “Making of”)
Ich bin Enthusiast von klassischen Automobilen. Zur “Enttäuschung” meiner Eltern begann diese Entwicklung bereits mit meinem ersten Wort. Es war nicht “Mama” oder “Papa”, sondern “Bagger” und bezeichnete schon damals damit einen Gegenstand mit vier Rädern und einem Motor.
Meine ganz besondere Vorliebe wurden jedoch Fahrzeuge aus England. Hiervon hatte es mir die Marke Aston Martin ganz besonders angetan. Auslöser war natürlich James Bond! Als ich zum ersten Mal im Fernsehen “Goldfinger” sah, war ich etwa acht Jahre alt. Für die adretten Bikini-Mädchen hatte ich damals verständlicherweise noch kein Auge, wohl aber für diesen atemberaubend schönen, silbernen Wagen mit seinen unglaublichen Geheimwaffen. Diese Gimmicks, wie Maschinengewehre hinter den Blinkern, drehbare Nummernschilder, ausfahrbaren Reifenschlitzer in den Radnaben, eine kugelsichere Wand im Kofferraum, Ölsprüher und Rauchgranaten im Heck, sowie der Beifahrer-Schleudersitz machten den DB5 zum berühmtesten Filmauto der Geschichte und Aston Martin bekannter als der Gewinn der Sportwagen-Weltmeisterschaft 1959, bei der die Briten sogar Ferrari und Porsche schlugen.
1985 besuchte ich als 15jähriger zum ersten Mal eine IAA in Frankfurt, wo ich ebenfalls zum ersten Mal einen Aston Martin fotografierte. Fast genau 12 Jahre später lichtete ich auf einem Treffen des Aston-Martin-Owners-Club in England einen silbernen V8-Volante aus dem selben Grund wieder ab - ohne zu diesem Zeitpunkt zu wissen, dass genau dieser Wagen das spezielle “Show Car” 1985 auf der IAA war, welches ich damals als meinen ersten Aston Martin fotografierte. Dies fand ich erst später aufgrund von Recherchen über das Nummernschild heraus. So schloss sich ein Kreis und das bewusste Foto fand Eingang in mein Buch.
Zu meinem Interesse an Aston Martin gesellte sich im Laufe der Jahre auch die Liebe zum Mini! An das erste klassische Fahrzeug “Made in England”, welches man in gewissem Sinne auch einen Sportwagen nennen kann, wagte ich mich 1992 durch den Kauf eines Mini-Cooper (“Little John”), nachdem ich bei einem Rennen historischer GT-Wagen auf dem Nürburgring mit völliger Begeisterung Zeuge wurde, wie die Minis mit ihrer unglaublichen Fahrdynamik den leistungsstärkeren Jaguars eine lange Nase machten. Zu dieser Zeit begann ich auch eine Ausbildung als Verlagskaufmann bei einer Tageszeitung, in deren Verlauf ich zunehmend Fahrberichte für die wöchentliche Autoseite schrieb - unter anderem auch über den damals neu erschienenen Aston Martin DB7. Neben meinem Faible für James Bond und britischen Sportwagen, entdeckte ich nun zusätzlich meine Lust am Schreiben. Anfang 1995 teilte mir die Verlagsleitung mit, dass ich infolge der zu hohen Personalkosten nicht übernommen werden könnte. Damit war plötzlich mehr Freizeit als gewollt vorhanden, die sich letztendlich in zweieinhalb Jahren Arbeitslosigkeit niederschlug, weil man in Deutschland ohne Berufspraxis - trotz Ausbildung - praktisch wie ohne Beruf gilt und einen dementsprechenden “Marktwert” besitzt. Um aber die Zeit neben der Jobsuche, die bis zu meinem Neubeginn mit einer zweiten Ausbildung zum Sortimentsbuchhändler im September 1997 endete, irgendwie sinnvoll zu gestalten, beschloss ich etwas zu tun, was all meine Interessensgebiete miteinander verbinden sollte: Ein Buch über Aston Martin!
Im August 1994, noch ganz unbelastet von Buchgedanken, wollte ich zum ersten Mal Aston Martin besuchen, verursachte aber kurz nach meiner Ankunft in England einen schweren Autounfall, bei dem “Little John” leider einen Totalschaden erlitt und ich nur knapp mit dem Leben davonkam. Rippen waren gebrochen, nicht aber das Interesse an Aston Martin. Langsam begannen die Buchpläne zu reifen. Eigentlich wollte ich zu dieser Zeit nur die faszinierende Handarbeit der V8-Produktion dokumentieren. Doch ohne die Vorgeschichte der Aston Martin Lagonda Ltd. in Newport Pagnell und die Entstehung des Namens “Aston-Martin" unter Bamford & Martin 1915 in London würde das Buch nur eine halbe Geschichte ohne Anfang darstellen. Dies war die Ausgangssituation, in der ich letztlich beschloss, DIE deutschsprachige Chronik Aston Martins zu schaffen, welche ich mit der Gründung des Kutschen- und späteren Karosseriebauers “Salmons & Sons” (Hier klicken für Infos über ein 2007 erschienenes, umfassendes Buch über “Salmons & Sons”) im Jahre 1820 in Newport Pagnell beginnen ließ, in dessen Hallen Aston Martin 1954 nach der Übernahme einzog. Drei Jahre dauerten die eigentlichen Recherchen, für die ich mehrfach nach Grossbritannien schipperte und bei einer dieser Touren innerhalb von drei Wochen weit über 4.000 km mit meinem mittlerweile zweiten Mini, einem “British Open” namens “Green Pea” (“Grüne Erbse”), zurücklegte - diesmal ohne Zwischenfall! Ich führte zahllose Interviews mit aktiven und pensionierten Mitarbeitern Aston Martins, besuchte mehrere Treffen und das Archiv des extrem hilfreichen Aston Martin Owners Club, machte über 1500 Fotos in der V8-Produktion von Newport Pagnell und durchforschte etliche namhafte Bildarchive. Dabei drang ich immer tiefer in die Geschichte dieser kleinen, tapferen Automobilmanufaktur ein, die mich zunehmend fesselte und in ihren Bann zog. Wäre Aston Martin aus Gründen des Profits nach den traditionellen Regeln eines “normalen” Unternehmens geführt worden - die Firma hätte kein Jahrzehnt überlebt. Aber es gab gottlob immer zum richtigen Zeitpunkt Enthusiasten, bei denen der Profit eben nicht an erster Stelle stand und die andere Werte repräsentieren, als es der Zeitgeist und die wirtschaftlichen Zwänge meinten vorschreiben zu müssen. Diese wahren Enthusiasten, wie Englands “Traktorenkönig” Sir David Brown, der Aston Martin durch die Übernahme 1947 ein goldenes Zeitalter bescherte, haben mich zutiefst fasziniert und manchmal auch sehr bewegt. Ebenso die Ingenieurleistungen, die Handwerkskünste, die Motorsporterfolge und der gesamte Überlebenskampf der Aston Martin Lagonda Limited.
Einen ähnlichen Kampf focht ich mit meinem Buch aus, bei dem der Erscheinungstermin aus zahllosen Gründen immer wieder verschoben werden musste. Die Odyssee der Entstehung mit ihren tausend kleinen Geschichten und Anekdoten beinhaltet Stoff genug für ein eigenes Buch. Allen Widrigkeiten zum Trotz, hielt ich am 3. August 1999 schlussendlich den ersten handgebundenen Prototypen meines Buches mit den noch streng nach Druckfarbe riechenden Seiten in Händen. Davor lag eine Zeit, die alle Höhen und Tiefen des Lebens beinhaltete: Von der Freude über den Fund eines einzigartigen, noch nie gesehenen Fotos, bis hin zur völligen Frustration, wenn bei einer mir wichtigen Thematik keine plausiblen Fakten und Bilder zu recherchieren waren. Es musste sogar, aufgrund eines Copyrightproblems mit einem Foto (eine private Aufnahme mit Sir Sean Connery am einem DB7, die versehentlich für ein offizielles Pressbild gehalten und ins Buch aufgenommen wurde), ein kompletter Bogen mit einem Ersatzbild nachgedruckt werden, während die bereits bedruckten 2.400 Bögen ins Altpapier wanderten! Dies war einer von vielen Gründe, die mich bewogen, ein solch umfangreiches und zeitaufwendiges Projekt nicht noch einmal durchzuziehen. Sonst kann eine Leidenschaft wirklich Leiden schaffen, und es gibt Momente, wo man kein Licht am Ende des Tunnels sieht und am liebsten alles hinwerfen möchte. Doch ab einem Punkt gibt es einfach kein Zurück mehr, sondern nur noch ein Voraus, zumal ich durch die Recherchen auch viele interessante Menschen und mitreissende Aston-Enthusiasten kennen lernen durfte. Wann bekommt man auch schon mal die Gelegenheit, eine Spritztour mit dem originalen DB5 aus “James Bond 007 - GoldenEye” machen zu können und sich dabei wie Pierce Brosnan zu fühlen?!
Mit neu recherchierten Fakten spannt sich so auf über 360 Seiten der Bogen vom ersten “Aston-Martin” von 1915 bis hin zum Zwölfzylinder DB7 Vantage von 1999. Besonders detailliert wird jedes Modell ab 1959, dem Jahr der Firmensitzverlegung von London/Feltham nach Newport Pagnell, mit der jeweiligen Entwicklungsgeschichte vorgestellt. Weder erfolglose Prototypen, kuriose Einzelstücke, noch die Aston-Abenteuer von James Bond kommen zu kurz. Ein eindrucksvoller Bildreport über die Fahrzeugherstellung der V8-Modelle in Handarbeit ist ebenfalls vorhanden. Genauso ein geschichtlicher Abriss über Lagonda und die Gemeinde Newport Pagnell. Das zweite Aston-Werk in Bloxham und die dortige Produktion der DB7-Modelle wird ebenso dokumentiert. Neben Führungspersönlichkeiten des Unternehmens kommen auch Ingenieure, Motorenbauer und ehemalige Rennfahrer des früheren Werkteams zu Wort. Bei allem Enthusiasmus versuchte ich dennoch stets die kritische (journalistische) Distanz zu wahren.
Für meine Leidenschaft gründete ich, zusammen mit meinem Vater als stillen Hauptteilhaber, einen Verlag für Feine Automobil-Literatur, um meine ureigene Vorstellung von einem Automobilbuch verwirklichen und um meinen Lesern etwas Besonderes bieten zu können. Kein “normaler” Verlag hätte die enormen Kosten übernommen und diesen immensen Produktionsaufwand betrieben: In Anlehnung an Aston Martin, wurde mein Werk kompromisslos auf Qualität und Exklusivität hin ausgerichtet. Es war kein mit technischen Details überfrachtetes Werk geplant, sondern ein informatives und gleichzeitig unterhaltsames Lese-/Bilderbuch für Automobil-Enthusiasten mit einem Sinn für schöne Bücher. Bei der Gestaltung und Produktion wurde aus diesem Grund, ganz im Sinne Aston Martins, an nichts gespart, was an Papier und Druck gut und schön ist. So wurden die Abbildungen für eine höhere Brillanz mit einem speziellem Drucklack überzogen. Auch wollte ich einen Schmuckschuber für eine schonende Aufbewahrung. Das machte das Buch zwar nicht billig, aber nach meiner Überzeugung seinen Preis wert. Für mich, als bibliophilen Menschen, muss ein Buch nicht nur gut, sondern auch schön sein.
Die einmalige Auflage des Buches in der Leinen-Edition begrenzte ich nach vorsichtigen Schätzungen der Absatzmöglichkeiten auf 1.950 Exemplare. Um diese Limitierung auch wirklich zu garantieren, liess ich nach der Produktion die Druckfilme vernichten. Und weil ich das Buchbinden als Handwerkskunst verstehe, waren ebenso zwei handgebundenen und ebenfalls streng limitierte Leder-Editionen in dunkelgrünem Kalbsleder und speziellen Schubern (Plexiglas oder kaschierter Karton) erhältlich. Für mich lässt sich die Liebe zu handgefertigten Büchern und handgefertigten Automobilen nicht schöner kombinieren.
Am 14.09.99 führte ich das Buch offiziell auf den Markt ein, als ich auf der IAA in Frankfurt das Exemplar mit der Nr. 0001/1950 dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Aston Martins, Bob Dover, überreichte. In den Wochen nach der Veröffentlichung wurde dem Buch von der Fachpresse (“Ein Meisterwerk!” – Motor Klassik 11/99), aber auch von seiner Leserschaft, grosses Lob zuteil – von mir zwar erträumt, in diesem Maße aber nicht erwartet. In nahezu jeder Zeitschrift, die sich mit dem Thema Automobil beschäftigt, wurde mein Buch höchst positiv besprochen. Ein Schweizer Leser schrieb mir sogar, er halte das Buch als “das beste und umfassendste Werk, das je über eine Automarke geschrieben wurde.” (Siehe auch Pressestimmen - Aston-Buch.)
Leider sorgen exzellente Kritiken nicht zwangsläufig für gute Verkäufe. Auf die Absatzfähigkeit hin war das gesamte Projekt klar durchdacht, berücksichtigt man schon alleine die über 4.000 Mitglieder des Aston-Martin-Owners-Club. Diese wurden von mir durch das Club-Magazin über die Veröffentlichung informiert. Nur hielten man sich aus unverständlichen Gründen mit dem Kauf sehr zurück. Ursprünglich wollte ich auch nicht über den Buchhandel vertreiben und kalkulierte daher keinen Wiederverkäufernachlass in den Endpreis ein. Irgendwann waren es so viele Bestellungen nur über den Buchhandel, dass ich sie nicht mehr ignorieren konnte und meine Gewinnspanne um den Wiederverkäufernachlass reduzierte. Nach zwei Jahren ging der Absatz schliesslich dramatisch zurück. Der Tiefpunkt war der Frühling 2002. Zu diesem Zeitpunkt lagen die monatlichen Lagerkosten für die Bücher schon zu lange zu weit über den Erlösen. In Absprache mit meinen Vater sorgte ich schweren Herzens für Schadensbegrenzung: Für einen Bruchteil der eigentlichen Herstellkosten verramschte ich fast den kompletten Lagerbestand an den Motorbuch-Verlag in Stuttgart, der diese Menge für die Hälfte des bisherigen Ladenpreises binnen zweier Jahre absetzte. Für den halben Preis hätte ich sie auch verkaufen können, aber dies hätte man wieder bewerben müssen, wofür kein Geld mehr vorhanden war. So endete diese Unternehmung mit einem sehr bitteren Beigeschmack. Man hatte mit viel Herzblut etwas geschaffen, von vielen hochgelobt, aber von zu wenigen gekauft. Als ich den Verlag zum Ende des Jahres 2003 mangels Erfolg auflöste, meinte mein Vater, dass er bei einer Investition in Aktien, kurz vor dem Platzen der “New-Economy”-Blase 2000, mehr Geld verloren hätte.
Irgendwie passte das dann doch wieder zur Geschichte und Tradition Aston Martins: Überambitioniert, aber unterfinanziert. Wie wahr!
- Informationen zum Inhalt, Ausstattung und Bestellmöglichkeiten des Buches finden Sie hier.
- Wie kommentierte und rezensierte die Fachpresse? Hier die Pressestimmen zu “Die Aston Martin Lagonda Ltd. in Newport Pagnell”.
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Prefix von John Martin, Sohn des Aston-Martin-Firmengründers Lionel Martin:
”Lieber Michael, ich wünsche Dir allen Erfolg für Dein Buch. Ich bin sicher, Dein Enthusiasmus für die Marke wird seinen Weg auf die [Buch-] Seiten finden. Mit den besten Wünschen, John Martin.”
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